Vor langer Zeit las ich in der SZ eine von Joseph Joffe verfasste Besprechung eines der letzten Bücher von Henry Kissinger. Darin fand ich den Hinweis, dass Kissinger den letzten Teil des besprochenen Buches mit einem alten spanischen Sprichwort eingeleitet hatte:
Wanderer, es gibt keine Straßen...! Wege entstehen beim Gehen...
ein altes spanisches Sprichwort,
das ich mir herausschrieb und das ich seither als Bildschirmschoner auf meinen
diversen Pcs benutze.
Mein Blick fällt also immer wieder auf diesen Spruch und er ist so etwas wie ein
Mantra geworden, das ich einige Zeit später mit den mittelalterlichen
Kardinaltugenden ergänzt habe:
sapientia....fortitudo...temperantia...justitia...ein Denk- und Handlungsrahmen,
der mich immer wiedererinnert, dass Nachdenklichkeit eine unerlässliche Notwendigkeit dort ist,
wo betonierte Schnellstrasseneinen zum Rasen animieren und Scheinziele vorgaukeln, die man, wenn man
sich durch die hinzugefügtenKardinaltugenden leiten lassen will, dann doch
nicht blindlings verfolgen sollte.
Ich wende dieses Sprichwort vor allem auf meinen Umgang mit dem,was wir so gemeinhin als Wissen
bezeichnen, an...und dann wird mir klar, dass der Physiologe Emil Du Bois-Reymond 1872 mit seinem
Hinweis auf das Ignorabimus ( Wir werden nicht wissen) wohl etwas ähnliches gemeint haben muss und
mit dem darauf folgenden Ignorabimus-Streit http://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache%3AYlBSpABrjdgJ%3Akw.uni-paderborn.de%2Ffileadmin%2Fkw%2FInstitute%2FPhilosophie%2FPersonal%2FReichenberger%2Fbeitrag.ignorabimus_lastversion_reichenberger.inkl.grafik.pdf+ignorabimus+streit&hl=de&sig=AHIEtbQUIgPOExlcnrTlKhQOZm0J4hOacw&pli=1
einen auch heute noch gültigen, offenen Raum geschaffen hat, in dem wir uns mit diesem
alten Sprichwort zwar auf mühsamen, immer aber interessanten Wegen vorwärts bewegen
können.
Jetzt bin ich bei einem großen Thema gelandet und wollte eigentlich nur erzählen, wie oft
mich mein Screensaver an die Wirklichkeit erinnert und mir zu Gelassenheit
durchNachdenklichkeit verhilft, wenn ich mich in dem Dasein verheddert fühle....im
kleinen durch das Abstürzen von 2 meiner Arbeitscomputer durch einen Virus, der notwendig machte, das ganze Windowssystem neu aufzusetzen....und bis die Pcs wieder arbeitsfähig
sind wird noch viel Zeit vergehen, aber ich muss mir neue Computerkonzepte überlegen,
weil ich durch diese Abstürze schmerzhaft gemerkt habe, wie abhängig ich vom Funktionieren solcher
Techniksysteme bin und wie sehr ich durch solche alltäglichen Pannen ins
Stolpern geraten kann.
Im Großen bewegt mich die eindrucksvolle Filmdokumentation von Claude
Lanzmann von 1985 über die Shoah, die Arte an den letzten beiden
Mittwochabenden jeweils über mehr als 4 Stunden gesendet hatte und die ich noch nicht gesehen hatte. Subtil
malt er den Schatten, der auf uns alle fällt und der durch die Nachdenklichkeit, von der ich
vorher gesprochen habe, hoffentlich ein Stück gemildert wird.
Diese Nachdenklichkeit wiederum hat mich eine Reihe von Büchern von
Ellen Langer entdecken lassen, die ich für mich zum Lesen mitnehmen will.
An erster Stelle ihr letztes Buch: Counterclockwise....und dann 3 Titel zum Thema Mindfullness, das Ellen
Langer, eine Psychologieprofessorin von Harvard sehr lebendig und originell abhandelt.Lesen ist oft
Wiedererkennen...aber auch voller Überraschungen, Muster zu erkennen, die einem bisher
noch nicht klar waren. Ich bin neugierig, zu welchen neuen oder alten Erkenntnissen mich
diese Lektüren animieren....Wege entstehen beim Gehen!
PS: Auch wenn man sich mit einem Blog versucht...Dieser Eintrag ist beim Formatieren schief gelaufen und ich habe noch nicht entdeckt, woran genau es liegt. Danke für die Rückmeldungen von denen, die mich auf die falsche Formatierung aufmerksam gemacht haben. Ich bin aber nicht sicher, ob der Korrekturversuch geklappt hat.
Samstag, 30. Januar 2010
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