Sonntag, 31. Januar 2010

On becoming an Artist

Gestern hatte ich schon Ellen Langer, eine Psychologieprofessorin von Harvard, erwähnt. Nachdem mir beim Schreiben des gestrigen Blogs über meinen Bildschirmschoner die Formatierung so richtig mißglückt war, dass wohlmeinende Leser mir eine Message geschickt hatten, dass da wohl die Formatierung nicht geklappt hat, habe ich heute morgen einen Blick in eines der Bücher meiner Reiselektüre von Ellen Langer geworfen - On Becoming an Artist  Reinventing Yourself Through Mindful Creativity. Das Buch ist 2005 erschienen und beschreibt, wie Ellen Langer ihre Forschungsergebnisse über Mindfullness ( es gibt keine wirkliche Übersetzung für diesen Begriff ) auf ihr eigenes Leben und Arbeiten anwendet. 

In gewisser Weise erläutert sie, was ich mit meinem gestrigen Blog über "Wege entstehen beim Gehen" thematisieren wollte. Ich habe so viele eigene Gedanken wiedergefunden und werde darauf achten, dass ich Pannen wie die mit meinen Computern in der letzte Woche auch auf ihre Möglichkeiten hin untersuche, was ich aus ihnen an positiven Elemente und neuen Lernschritten gewinnen kann.

Was mir an ihrem Buch gefällt, ist die Frische und das Temperament, mit der sie sich in ihrem Leben bewegt. Heute morgen hat sie mich beim Lesen der ersten beiden Kapitel wieder angesteckt, mich an die Wegstrecken zu erinnern, in denen ich mich auf genau diesen Wegen bewegt habe. Die Appraisals auf der den Vorder- und Rückseiten des Buches sagen alle  das Gleiche: Das Buch ist ein schönes Geschenk und eine pragmatische Ermutigung, sich an seine Kreativität heranzutrauen oder sich in Momenten der Mutlosigkeit einen klugen Anstubser zu holen.

PS.: Ich bin neugierig, ob es diesmal mit der Formatierung geklappt hat. Das werde ich gleich beim Veröffentlichen merken.


Samstag, 30. Januar 2010

Wanderer, es gibt keine Straßen...! Wege entstehen beim Gehen...

Vor langer Zeit las ich in der SZ eine von Joseph Joffe verfasste Besprechung eines der letzten Bücher von Henry Kissinger. Darin fand ich den Hinweis, dass Kissinger den letzten Teil des besprochenen Buches mit einem alten spanischen Sprichwort eingeleitet hatte:
Wanderer, es gibt keine Straßen...! Wege entstehen beim Gehen...
ein altes spanisches Sprichwort,
das ich mir herausschrieb und das ich seither als Bildschirmschoner auf meinen
diversen Pcs benutze.
Mein Blick fällt also immer wieder auf diesen Spruch und er ist so etwas wie ein
Mantra geworden, das ich einige Zeit später mit den mittelalterlichen
Kardinaltugenden ergänzt habe:
sapientia....fortitudo...temperantia...justitia...ein Denk- und Handlungsrahmen,
der mich immer wiedererinnert, dass Nachdenklichkeit eine unerlässliche Notwendigkeit dort ist,
wo betonierte Schnellstrasseneinen zum Rasen animieren und Scheinziele vorgaukeln, die man, wenn man
sich durch die hinzugefügtenKardinaltugenden leiten lassen will, dann doch
nicht blindlings verfolgen sollte.
Ich wende dieses Sprichwort vor allem auf meinen Umgang mit dem,was wir so gemeinhin als Wissen
bezeichnen, an...und dann wird mir klar, dass der Physiologe Emil Du Bois-Reymond 1872 mit seinem
Hinweis auf das Ignorabimus ( Wir werden nicht wissen) wohl etwas ähnliches gemeint haben muss und
mit dem darauf folgenden Ignorabimus-Streit http://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache%3AYlBSpABrjdgJ%3Akw.uni-paderborn.de%2Ffileadmin%2Fkw%2FInstitute%2FPhilosophie%2FPersonal%2FReichenberger%2Fbeitrag.ignorabimus_lastversion_reichenberger.inkl.grafik.pdf+ignorabimus+streit&hl=de&sig=AHIEtbQUIgPOExlcnrTlKhQOZm0J4hOacw&pli=1
einen auch heute noch gültigen, offenen Raum geschaffen hat, in dem wir uns mit diesem
alten Sprichwort zwar auf mühsamen, immer aber interessanten Wegen vorwärts bewegen
können.

Jetzt bin ich bei einem großen Thema gelandet und wollte eigentlich nur erzählen, wie oft
mich mein Screensaver an die Wirklichkeit erinnert und mir zu Gelassenheit
durchNachdenklichkeit verhilft, wenn ich mich in dem Dasein verheddert fühle....im
kleinen durch das Abstürzen von 2 meiner Arbeitscomputer durch einen Virus, der notwendig machte, das ganze Windowssystem neu aufzusetzen....und bis die Pcs wieder arbeitsfähig
sind wird noch viel Zeit vergehen, aber ich muss mir neue Computerkonzepte überlegen,
weil ich durch diese Abstürze schmerzhaft gemerkt habe, wie abhängig ich vom Funktionieren solcher
Techniksysteme bin und wie sehr ich durch solche alltäglichen Pannen ins
Stolpern geraten kann.

Im Großen bewegt mich die eindrucksvolle Filmdokumentation von Claude
Lanzmann von 1985 über die Shoah, die Arte an den letzten beiden
Mittwochabenden jeweils über mehr als 4 Stunden gesendet hatte und die ich noch nicht gesehen hatte. Subtil
malt er den Schatten, der auf uns alle fällt und der durch die Nachdenklichkeit, von der ich
vorher gesprochen habe, hoffentlich ein Stück gemildert wird.
Diese Nachdenklichkeit wiederum hat mich eine Reihe von Büchern von
Ellen Langer entdecken lassen, die ich für mich zum Lesen mitnehmen will.
An erster Stelle ihr letztes Buch: Counterclockwise....und dann 3 Titel zum Thema Mindfullness, das Ellen
Langer, eine Psychologieprofessorin von Harvard sehr lebendig und originell abhandelt.Lesen ist oft
Wiedererkennen...aber auch voller Überraschungen, Muster zu erkennen, die einem bisher
noch nicht klar waren. Ich bin neugierig, zu welchen neuen oder alten Erkenntnissen mich
diese Lektüren animieren....Wege entstehen beim Gehen!

PS: Auch wenn man sich mit einem Blog versucht...Dieser Eintrag ist beim Formatieren schief gelaufen und ich habe noch nicht entdeckt, woran genau es liegt. Danke für die Rückmeldungen von denen, die mich auf die falsche Formatierung aufmerksam gemacht haben. Ich bin aber nicht sicher, ob der Korrekturversuch geklappt hat.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Neue Perspektiven gewinnen...

Redet oft genug mit Euren Freunden! Wenn sie wohlwollend sind, machen sie Euch auf Perspektiven aufmerksam, die Ihr vielleicht so noch nicht gesehen habt.

Vor ein paar Tagen ist mir Folgendes passiert: gefragt, wie es mir mit den Vorbereitungen für unseren Starflyer-Trip ginge, meinte ich, dass mich das Projekt schon ganz schön in Bewegung brächte. Seit 8. Januar sei ich dabei, in einem kleinen Krankenhaus unter der freundlichen Anleitung eines wohlwollenden Chirurgenkollegen sowohl in der Ambulanz als auch im Operationssaal meinen Blick für die Praxis der Erstversorgung wieder zu üben. Ich fühlte mich zurückversetzt in die frühen Phasen meines Medizinstudiums und meine chirurgische Medizinalassistentenzeit, quasi eine Zeitreise in die Vergangenheit und gleichzeitig ein Sich-Gewahrwerden, wie viel neue Technologien in den letzten 45 Jahren auch bei der Basisversorgung neu hinzugekommen sind und vieles anders machen. Interessant war aber vor allem der Kommentar des Freundes, der meinte, der Starflyer-trip sei doch ein ganz tolles Anti-Aging-Mittel; das wirksamste, das er in letzter Zeit kennengelernt habe: erst sei ich um 10 Jahre jünger geworden, um überhaupt den Job als Schiffsarzt zu bekommen ( wie wenn er mich auf dem Ergometer für das Gesundheitszeugnis hätte radeln sehen, um die Marke "fit wie unter 60" zu erreichen) und dann hätte ich jetzt ja einen Satz gemacht und sei wieder im Stadium eines Jungarztes angekommen...in der Tat hatte einer der internistischen Kollegen letzte Woche bei der Visite schmunzelnd gemeint, sie hätten heute Verstärkung mitgebracht und ich sei der "neue Famulus", was alle mit einem herzlichen Lachen quittierten. Mir macht die Beschäftigung mit der Basisversorgung wirklich Freude...ein unerwarteter Gewinn, der mich an Zeilen von Albert Schweitzer zum Thema "Jugend" erinnert, die man sich, wenn man so in die Jahre kommt, zu Herzen nehmen kann. Ich habe das jedenfalls getan und will diesen Text gerne mit Euch teilen;

Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt -
sie ist ein Geisteszustand.
Sie ist Schwung des Willens,
Regsamkeit der Phantasie,
Stärke der Gefühle,
Sieg des Mutes über die Feigheit,
Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit.

Niemand wird alt,
weil er eine Anzahl Jahre hinter sich gebracht hat,
Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.
Mit den Jahren runzelt die Haut,
mit Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele.

Du bist so jung wie Deine Zuversicht,
so alt wie Deine Zweifel.
So jung wie Dein Selbstvertrauen,
so alt wie Deine Furcht.
So jung, wie Deine Hoffnungen,
so alt wie Deine Verzagtheit.

So lange die Botschaften der Schönheit,
Freude, Kühnheit, Größe
 Dein Herz erreichen,
solange bis Du jung!

(Albert Schweitzer)



Donnerstag, 14. Januar 2010

Fahrplan




So sahen wir gestern abend auf 3SAT unser Schiff und die Gegenwart in München ist schon ein heftiges Kontrastprogramm. Die Sehnsucht nach Wärme treibt mich im Moment nicht an, denn ich liebe den Winter als Jahreszeit, insbesondere wenn er sich mit Schnee und Sonne zeigt.
Meine inneren Prozesse laufen auf einer anderen Ebene. Ich habe vor 5 Jahren entschieden Frankfurt zu verlassen, auch um meinen Kindern den Freiraum zur eigenen Entwicklung zu geben, ihre Selbständigkeit zu fördern etc. Erst jetzt mit der Entscheidung zu dieser 3 Monate dauernden Reise realisiere ich bewußt, dass ich mein Leben lebe und ich lebe bewußter nach vorn. Ich empfinde mich nicht als Verwalter meiner Erinnerungen.
Jetzt wird es pragmatischer. Auf in den e-mails zum Ausdruck gebrachten Wunsch hier nun die Reiseroute: Am 8. Februar fliegen wir nach Papeete, Tahiti, französisch Polynesien.
Wir werden dort eine Woche bleiben, um wenigstens eine Insel genauer kennen zu lernen. Ich freue mich auf das Gauginmuseum, die Perlenzüchter und die wilde Vulkannatur.
Am 14. Februar besteigen wir das Schiff und segeln dann 10 Tage zu verschiedenen Inseln wie Moorea, Bora Bora,Huahine, Rangiroa, Tuamotus, Hiva Oa (Marquesas) und Nuku Hiva.
Vom 25. Februar bis 14. März sind wir auf dem Pazifik nur auf See.
Das wird die Herausforderung, nur Meer, Horizonte, Weite, Sonne, Wolken, Wellen........
15. und 16. März Isla del Coco
17. und 18. März Meer
19. März, Marks Geburtstag feiern wir auf dem Archipelago de las Perlas
20. März Balboa, Pnama
Hier wechseln die Gäste
21. März Panama Canal Transit
22.März San Blas Archipelago
23. März at sea
24. März Cartagena, Kolumbien
25. und 26. März auf See
27. März Oranjestad, Aruba
28. März Willemstad, Curacao
29. und 30. März auf See
31. März Jost van Dyke, White Bay und Tortola, Sopers Hole, Virgin Gorda, North Sound
1. April Virgin Gorda North Sound
2. April Gustavia, St. Barts
3. April St Maarten, Philippsburg (Gästewechsel)
4. -15. April Atlantiküberquerung
16. April Punta Delgada, Azoren
17. - 20. April auf See
21. April Lissabon
22. - 28. April Lissabon
29. April Flug nach München und Heimfahrt
Wir voller Erlebnisse, die dann sicher erst einmal angemessen verarbeitet werden müssen und unsere Haushüter Josefine und 2 x Monika sicher erleichtert, dass wir wieder da sind.
Ihr könnt das schauen auf Google Earth. Sascha hat das gestern schon mal gemacht. Jetzt stubst mich Fynn an und möchte in die Sonne und den Schnee.
Gitta

Montag, 11. Januar 2010

Im Strom der Zeit...

Der November und auch die Zeit danach ist so schnell vergangen, dass viele Vorbereitungen für das Südseeabenteuer noch in den Anfängen stecken. Meine Praxis fordert mich intensiver und bringt immer wieder neue Herausforderungen mit sich, dass bisher gar nicht viel freie Zeit für die vielen erdachten Vorbereitungen und Ideen übrig geblieben ist.

Interessant ist dabei, dass ein neues Ziel dennoch wirksam ist und implizit in vieler Hinsicht Lebensabläufe konstelliert. Der Blick auf das bevorstehende Abenteuer zeigt seine Wirkung, auch wenn das erst mal nur in der inneren Organisation und der Ausrichtung der Aufmerksamkeit fassbar ist.

Jetzt sind es noch etwas mehr als ca. 3 Wochen bis zu unserem Start nach Tahiti. Das Projekt verdichtet sich und rückt mehr und mehr ins Zentrum.Bei einem späteren Rückblick bin ich neugierig, zu welchgen Entdeckungen uns dieses Projekt verholfen hat.

Vorbereitungen...und ein sinnvoller Blick zurück

1959 - also vor über 50 Jahren war mein erstes Studienjahr in der Medizin. Start in der Unfallambulanz im Knappschaftskrankenhaus in Bochum-Langendreer. Erste Konfrontation mit Verunglücken, Zerstörung von körperlicher Integrität und den Gegenstrategien der Unfallversorgung, die die Medizin zur Verfügung stellen kann. Konfrontation mit der Komplexität von Geschehen...nicht jeder, der verletzt ist, trägt daran Schuld. Der logische Schlüssel, der sich langsam abzeichnet: die Bedeutung von Achtsamkeit als wichtigstes Prinzip im Umgang mit der Vielfalt des Geschehens

War am letzten Mittwoch gerne der Einladung des leitenden chrurgischen Arztes des kleinen  lokalen Krankenhauses, der Salzachklinik in Fridolfing gefolgt, mit ihm in der Zeit bis zu unserem Start nach Tahiti wieder an die medizinische Versorgungsbasis zurückzukehren und ihn sowohl in der Ambulanzsprechstunde, dem Operationsbetrieb und dne Notfalleinsätzen mit dem Notarztwagen zu begleiten.

Sein Kollege Dr. S. war als Schiffsarzt auf der Seacloud und so konnten wir uns dann gleich zu einem spannenden Gedankenaustausch nach dem Operationsprogramm am letzten Freitag verabreden, nachdem ich ihm vorher bei einer Operation mit einer ganz neuen Technik assistieren durfte. Auch hier wurde wieder deutlich: im Zentrum alles Tuns steht die Achtsamkeit. Vieler seiner Erfahrungen auf der Seacloud zeigten, dass es weniger um bravouröse Eingriffe geht als um einen umsichtigen Kontakt mit dem Kapitän, der die Gesundheit aller im Blick hat.

Das Erleben der engagierten Kollegen an der Basis aktivierte viele Erinnerungen und machte den Entwicklungsbogen deutlicher, den ich in den vielen Stationen meiner ärztlichen Tätigkeit in den vergangenen 50 Jahren durchmessen habe. Dr. R. hatte recht, als er sagte, die beste Vorbereitung auf meine Zeit auf dem Starflyer, die er sich vorstellen könnte, sei wieder in die Art der Basisversorgung einzutauchen, die in seinem kleinen Krankenhaus geleistet würde.

Wenn man viele Jahre in der fachärztlichen Versorgung in einer extrem arbeitsteiligen Handlungsstruktur gearbeitet hat, dann ist man sich oft gar nicht mehr bewusst, wie weit das Ausmaß der eigenen Spezialisierung gegangen ist. Unsere eigene Wirklichkeit ist immer ein Konstrukt und nicht die ganze Realität. In solchen Begegnungen mit Basispositionen, aber auch der Reflektion von Entwicklungslinien wird das mit einer schönen Unmittelbarkeit deutlich.

Auch hier treffe ich wieder auf den Aspekt der Achtsamkeit: ich glaube, ich tue gut daran, der Achtsamkeit den ersten Platz bei meinem Tun einzuräumen.

Sonntag, 10. Januar 2010

Das Schiff


Erste Begegnung im Morgennebel 2007 vor Hydra