Sonntag, 14. Februar 2010

Das Vorspiel ist zu Ende...

Das Vorspiel ist zu Ende...das Abenteuer beginnt real!

Seit die  Starclipper-Reederei mir den letter of employment und zuletzt das internationale Seefahrtsbuch zugeschickt hatte, lief ein Prozess, der mir aus heutiger Sicht wie das Vorspiel vorgekommen ist. Das Antizipieren von dem, was heute, Sonntag dem 14.2.2010 nun ganz real stattfindet. Um 16:00 Uhr werden wir an Bord der Starflyer gehen. Diese ist heute morgen von ihrem letzten  Südseerundtrip zurückgekommen. Eigentlich sollte sie wohl  5 Jahre in der Südsee bleiben. Nun wird sie nach ca. 2 Jahren mit uns an Bord vorerst zum letzten Mal ihre Runde durch die Südsee ziehen und dann mit dem Pazifik- und Atlantik-crossing wieder in näher liegende Gewässer zurückkehren.

Wir haben die bisherigen Tage in Tahiti dazu benutzt - mit den Worten eines anderen Starflyer-Passagiers, dem wir bereits am ersten Tag in unserem Hotel begegnet waren, uns gründlich zu "entschleunigen". Das  "Meridien-Tahiti" war der ideale Platz dazu.

Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, fühle ich mich gelassen und ruhig, obwohl das Warten auf unsere Koffer über 3 Tage hin die Entspannung nicht gerade gefördert hat. In ca. 6 Stunden werden wir mit einem Taxi und unseren Koffern zum Hafen fahren und an der Pier zum ersten Male die ganz reale Starflyer sehen, nachdem wir sie auf Fotos im Internet, auf Videos und Fernsehfilmen nun doch schon etliche Male bewundert haben. Aber diese zweidimensionalen Vergnügen sind nicht vergleichbar mit der tatsächlichen, mindestens dreidimensionalen, wahrscheinlich aber über noch mehr Dimensionen hinaus reichenden unmittelbaren Realität.

Ich fühle mich erinnert an jenen Morgen im Jahre 1963, als ich auf dem kleinen chinesischen Frachtschiff für Schweine und Wasserbüffel und mir als einzigem Passagier "Shun Shing" bei Sonnenaufgang langsam in den Hafen von Hongkong einlief und dachte..."das ist wirklich der Duft der großen, weiten Welt" und er ist nicht vergleichbar mit den zwar faszinierenden, aber dennoch unwirklichen Reklamefilmen für die Zigarette "Peter Stuyvesand", die damals mit diesem Slogan in den Markt gedrückt wurde.

Nun fast 47 Jahre später ein ähnliches und dennoch kaum vergleichbares Szenario: hinter mir liegen mehr als 45 Berufsjahre, auch die in vieler Hinsicht abenteuerlich. Aber im Moment geht es kaum um weitere Rückblicke, sondern eher um Ausblicke. In 5 Wochen werden wir auf den Pearl Islands, so alles bis dahin weiter klappt, meinen 70ten Geburtstag feiern und die Perspektive ist eher, was liegt dann an neuen Abenteuern im 7ten Jahrzehnt eines Lebens noch vor einem. In den ruhigen Tagen hier in Tahiti kristallisierte sich ein Thema klarer heraus: Nachdenken über eine Praxis der Medizin, in der es um "Better Aging" und nicht unbedingt um Anti-Aging geht. Wahrscheinlich ist die Starflyer ein ganz interessantes Terrain, diese Aspekte konkret zu erkunden. Ich nehme an, dass wir uns dort mit Leuten unseres Alters wiederfinden, die man wahrscheinlich in der öffentlichen Diskussion als "Die neuen Alten" bezeichnen würde. Für ihr Alter noch erstaunlich fit und unternehmungslustig und dennoch zumindest von einem Anflug von Altersweisheit gezeichnet...gewillt, aus ihren Erfahrungen das Beste zu machen so wie ich gewillt bin, mich konkret zu fragen, wie eine Medizin des "Aging Well", wie die berühmte, seit mehr als 60 Jahre laufende Harvard-Studie in dem Buch von Vaillant auf den Punkt gebracht wird, denn ganz konkret funktionieren kann. Gitta und ich stehen als Versuchspersonen schon fest...mal sehen, wer im weiteren Verlauf sich noch dazu gesellt. Unsere bisherige Erfahrung geht sehr in die Richtung des Zitats von Albert Schweitzer am Anfang der Beiträge zu diesem Blog. Also seien wir gespannt, wie die Geschichte weiter geht. Das nächste große Event wird in ca. 3 1/2 Stunden stattfinden, wenn wir die Starflyer konkret vor uns liegen sehen und wir unseren Fuß in den nächsten Abschnitt dieses Abenteuers setzen werden.

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